Krankschreibungen: Wie Unternehmen und Angestellte für weniger Fehltage sorgen können

Durchschnittlich 17 krankheitsbedingte Fehltage pro Mitarbeiter mussten Unternehmen in Deutschland 2022 verkraften. Ein immenser wirtschaftlicher Schaden. Dabei können Arbeitgeber und Angestellte schon mit einfachen Maßnahmen dazu beitragen, die Zahl der Fehltage zu reduzieren.

Wenn wir über die Zukunft der Arbeit sprechen, dann ist da ein Thema, das irgendwie jeden betrifft. Krankschreibungen. Du bist sicherlich auch schon mal krank gewesen und hast dich lieber zu Hause auskuriert, anstatt dich ins Büro zu schleppen und andere noch anzustecken. Spätestens seit den Covid-Jahren ist das auch kein Verhalten mehr, das auf Verständnis stößt. Doch nicht jeder, der krank ist, geht auch zum Arzt. Seitdem es die Möglichkeit gibt, von zu Hause zu arbeiten, bemühen sich viele Angestellte, ihr Arbeitspensum trotzdem abzuleisten. Für viele Arbeitgeber sicherlich ein sehr willkommenes Szenario, da sie somit keine finanziellen Einbußen durch Krankschreibungen verkraften müssen.

Milliardenverlust durch krankheitsbedingte Fehltage

Aufgrund von Produktionsausfällen durch Krankschreibungen entstand 2022 zum Beispiel ein wirtschaftlicher Schaden von 89 Milliarden Euro. Eine gewaltige Summe. Sie basiert auf durchschnittlich 17 Arbeitstagen, die Angestellte in Deutschland in einem Jahr aufgrund von Krankheit verpasst haben. Zu den häufigsten Ursachen für Krankschreibungen gehörten 2022 laut einem Bericht des Bundesarbeitsministeriums „Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems“. An zweiter Stelle liegen „psychische Störungen und Verhaltensstörungen“.

Gründe für Krankschreibungen: ein Überblick

Große Unterschiede gibt es bei den Krankschreibungen pro Branche. So sind beispielsweise Mitarbeiter in der Land- und Forstwirtschaft sowie in der Fischerei mit durchschnittlich 16 Fehltagen am häufigsten betroffen. Dicht dahinter rangiert das Gastgewerbe mit 15,4 Tagen, die Mitarbeiter aufgrund von Krankschreibungen verpasst haben. Diesen beiden Branchen folgen die Bereiche Verkehr und Lagerei sowie Nahrung und Genuss mit 14,9 bzw. 14,5 Fehltagen.

In der körperlich anspruchsvollen Bereichen Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei nehmen Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems mit 22,5 Fehltagen die Spitzenposition ein. Auch bei den meisten Krankheitstagen pro Mitarbeiter aufgrund von Kreislaufproblemen liegt die Branche vorne.

Weitere Ursachen für Krankmeldungen

Psychische Störungen und Suchtkrankheiten spielen bei Mitarbeitern von Banken und Versicherungen die größte Rolle. Sie sind dort für durchschnittlich 36 Fehltage verantwortlich. Im Gastgewerbe sorgen dagegen Verdauungsprobleme für den häufigsten Krankheitsgrund. Fast neun Fehltage kommen so zustande.

Präventiv gegen krankheitsbedingte Fehltage vorgehen

Arbeitgeber sollten sich die Frage stellen, wie sie den Krankenstand reduzieren können. Dabei geht es zunächst einmal um Ursachenforschung. Denn gegen Erkältungserkrankungen lässt sich wenig machen. Doch diese sind laut Auswertung des Bundesarbeitsministeriums auch gar nicht der Hauptgrund für die durchschnittlich 17 Fehltage in Deutschland. Gegen Beschwerden des Bewegungsapparates, Herzkreislaufprobleme und Suchtstörungen lässt sich dagegen schon eher präventiv vorgehen.

Betriebliches Gesundheitsmanagement

Ein erster Schritt hin zu einem gesünderen Team ist ein betriebliches Gesundheitsmanagement. Dieses Konzept hat sich besonders in größeren Betrieben mittlerweile etabliert. Es bietet sich aber auch für kleinere Unternehmen an. Losgehen kann es zum Beispiel mit einem Obsttag in der Firma oder gesunden Getränken. Betriebe können die Gesundheit ihrer Mitarbeiter auch unterstützen, indem sie zum Beispiel gemeinsame Sportevents wie die Teilnahme an einem Spendenlauf planen. Das stärkt nicht nur die Gesundheit, sondern auch den Zusammenhalt im Team. Positiv auf die körperliche Verfassung wirken sich auch die Kostenübernahme für den Besuch eines Fitnessstudios aus.

Tipp für Arbeitgeber: In persönlichen Gesprächen nach Ursachen suchen

Die Installation eines betrieblichen Gesundheitsmanagements ist ein wichtiger Schritt zu weniger Fehltagen. Zusätzlich sollten Unternehmen sich aber auch in regelmäßigen Gesprächen mit jedem einzelnen Mitarbeiter auseinandersetzen. Und zwar auf einer persönlichen Ebene. So können Führungskräfte auf Hinweise reagieren, die als Ursache für Fehltage genannt werden. Hier können auch Angestellte selbst aktiv werden und das Gespräch suchen, um Lösungen zu finden. Zum Beispiel, wenn es darum geht, den eigenen Arbeitsplatz zu optimieren, um Rückenleiden vorzubeugen.

Tipp für Angestellte: die eigene Gesundheit aktiv fördern

Überhaupt ist letztlich jeder Arbeitnehmer selbst gefragt: Was sind die Gründe für Fehltage? Wo besteht im Unternehmen Optimierungsbedarf? Gibt es innerbetriebliche Spannungen, die für krankheitsbedingte Ausfälle verantwortlich sind? Denn letztlich ist es immer auch im Interesse jedes Einzelnen, die eigene Gesundheit aktiv zu fördern. 

Quellen:

https://www.business-wissen.de/hb/krankenstand-senken-12-massnahmen-tipps-vorlagen/

https://www.businessinsider.de/wissenschaft/gesundheit/in-diesen-jobs-waren-2022-die-meisten-menschen-krankgeschrieben-aufgrund-dieser-erkrankungen/